Was Bernd Hirsch (CFO von Bertelsmann) so alles erzählt

Am 09.09.2017 erschien in der Börsen-Zeitung ein interessantes Interview mit Bernd Hirsch, dem CFO von Bertelsmann. Hier eine inhaltliche Zusammenfassung der meiner Meinung nach interessantesten Aussagen.

Penguin Random House (PRH)

Im Juli hat Bertelsmann die Anteile am Publikumsbuchverlag Penguin Random House (PRH) aufgestockt. Mitgesellschafter Pearson wollte seine Beteiligung eigentlich komplett verkaufen oder eine hohe schuldenfinanzierte Ausschüttung. Geeinigt hat man sich auf eine Mischung aus beidem. Heute gehören Bertelsmann 75%. In 18 Monaten kann Pearson die Verkaufsoption für die letzten 25% an Random House ziehen. Es scheint, als habe Bertelsmann gut verhandelt. Man verfügt über die strategische Mehrheit, kontrolliert jetzt das Unternehmen und der Kaufpreis und der Preisbildungsmechanismus für die verbleibenden Anteile wurde auf das 2-Fache des EBITDA begrenzt.

Sollte Pearson seinen letzten Anteil verkaufen wollen, und davon ist wohl auszugehen, hält sich Bertelsmann alle Optionen zur Finanzierung des Deals offen, auch die von Private Equity-Investoren oder sogar einen Börsengang. Allerdings betont Bernd Hirsch: „Das ist aber kein Szenario, in dem wir denken.“ Dass die Beteiligung eines privaten Investors keineswegs abseitig ist, zeigt das Beispiel RTL-Group. Hier reduzierte Bertelsmann auf 75%, um den Transformationsprozess zu finanzieren.

Das wahrscheinlichste Szenario scheint mir, dass Bertelsmann dafür eine Anleihe platziert, um den Deal zu finanzieren – warum sonst das Interview in der Börsen-Zeitung?

Finanzziele von Bertelsmann

Sein Ziel, bis 2020 einen Umsatz von 20 Mrd. Euro und ein Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) von 3 Mrd. Euro zu erwirtschaften, will Bertelsmann durch eine Kombination aus organischem Wachstum und Akquisitionen erreichen. Das sind ambitionierte Ziele, wenn man bedenkt, dass in den vergangenen 5 Jahren Geschäfte mit einem Gesamtumsatz von rund 2 Mrd. Euro Umsatz abgestoßen und für 4,3 Mrd. Euro in Wachstums- und Digitalgeschäfte investiert wurden.

150 Start-up-Beteiligungen als eigenes Geschäftsfeld

Investiert habe man in „relativ viele kleine bis mittlere Tickets. Das hat etwas mit Risikostreuung zu tun. Ich sehe aber auch keine riesige Milliardentransaktion auf uns zukommen.“ Bertelsmann hat, so Hirsch, weltweit 150 Beteiligungen im Digitalbereich und betrachtet diese Aktivitäten als eigenständiges Geschäftsfeld. Offenbar investiert Bertelsmann aus zwei Gründen: Einerseits als „Technologie-Scouting“ und zum anderen, um durch den späteren Verkauf von Beteiligungen einen guten Schnitt zu machen. „Allein in China haben wir durch Beteiligungsverkäufe in den vergangenen Jahren knapp 300 Mill. Dollar eingespielt mit extrem guten Renditen.“

Sorgenkinder des Konzerns: Druck, Logistik, Zeitschriften

Offenbar liegt Arvato insgesamt unter der konzernweiten Erwartung der EBITDA-Marge von 15%. Laut Bernd Hirsch wird es für die Dienstleistungsgeschäfte von Arvato „eher schwierig sein, eine Rendite von 15% zu erreichen.“ Ähnlich sieht es wohl auch bei der Printing Group aus. Wie hart dieser Markt ist, zeigt die wenig unternehmerische Aussage „Die Märkte kriegen immer mal wieder ein bisschen Wind, wenn ein Wettbewerber ausscheidet.“ Mit anderen Worten: Die Märkte schrumpfen und die Marktanteile werden neu verteilt. Die Strategie dazu nennt man: „Last Man Standing-Strategie“ – wenn genügend Wettbewerber über die Wupper gegangen sind, steigen auch wieder Preise und Erlöse. Bis dahin muss man einfach nur durchhalten. Dass ein Verkauf der Printing Group auf der Agenda stehen könnte, weist der Finanzchef strikt zurück.

Gruner + Jahr

Gruner + Jahr sieht er offenbar positiver. Obwohl G+J immer noch am Kämpfen ist, würden nach der Fokussierung auf Frankreich und Deutschland die Digitalumsätze zweistellig wachsen. Was auch nichts anders heißt, als dass die Umsätze im Kerngeschäft weiter schrumpfen und auch in Zukunft die (Personal)-Kosten den Erlösen angepasst werden müssen.

Begeisterung klingt anders.

Zusammenfassung Börsen-Zeitung

EU-Datenschutz-Grundverordnung – Ein massives Problem für viele Verlage

Nach dem Thema „VG Wort“, das vollkommen unterschätzt wurde, naht still und relativ leise das nächste Unheil: Die EU-Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO). Diese ist bereits gültig und die laufende Übergangsfrist endet am 25.05.2018. Es gibt KEINE Verlängerung. Die Anpassung des Bundesdatenschutzgesetzes wurde ebenfalls bereits vom Bundestag beschlossen und am 12.05.2017 vom Bundesrat bestätigt. Das ist wenig Zeit, wenn man den Aufwand und die daraus resultierenden Konsequenzen berücksichtigt. Weiterlesen

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Digitale Mediendienstleister weiter auf Erfolgskurs

Für 2016 ziehen digitale Mediendienstleister eine positive Bilanz:
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Diagramm: Ergebnis der Befragung unter digitalen Mediendienstleistern zum Rückblick auf das Geschäftsjahr 2016

Die vollständige Umfragenauswertung können Sie hier kostenlos anfordern.

Zur Kehrseite der aktuellen Urheberrechtsnovelle

Die jetzt vereinbarte Urheberrechtsnovelle wirft wichtige Fragen auf. Aus unserer Sicht hat der Erfolg des Börsenvereins bei der Fixierung der Verlegerbeteiligung am Zweitverwertungsrecht eine Kehrseite, die nicht unterschätzt werden sollte. Weiterlesen

Wirkungsweise und Einsatzpotentiale Künstlicher Intelligenz (KI) im Publishing

Dieser Beitrag beleuchtet, warum langfristig an der Automatisierung des Automatisierbaren auch in der Publishing-Industrie nur die Holzwege vorbeiführen und welche Rolle KI in der Publishing Industrie einnehmen kann und muss.

Auf dem technologischen Spielfeld der Digitalisierung, dessen Eckpunkte mit buzz words wie „Big Data“, „Cloud Computing“, „Deep Learning“, „Automatisierung“ und „Virtual Reality“ abgesteckt sind, wird kein Thema mit mehr Ambivalenz betrachtet als künstliche Intelligenz (KI) Weiterlesen

Digitale Transformation aus der Organisation ausgliedern?

Status

Aljoscha Walser

Holtzbrinck geht einen spannenden Weg. Man gründet die Firma Holtzbrinck ePublishing GmbH. Sie soll, so das Börsenblatt Online, die digitale Transformation der deutschen Holtzbrinck-Verlage gestalten.

Was bedeutet das für die Transformation in der Organisaton?

Digitalität ist nun keine Aufgabe mehr für alle, sondern primär die Aufgabe der Spezialisten. Veränderungsverweigerer haben nun eine perfekte Ausrede: „Lass die mal machen, ich mach so weiter wie bisher.“

Wir lesen diese Entscheidung als Ausdruck der Ungeduld der Holding mit dem Fortschritt bei den klassischen Verlagen. Holtzbrink will Fahrt aufnehmen und so wird man sicher schneller werden. Nur, wie sinnvoll ist eine Lokomotive, die deutlich schneller fährt als die Wagons?

Eindrücke und Einsichten von der FBM 2016

In den vergangenen Jahrzehnten waren nahezu alle signifikanten Innovationen unserer Branche technologischer Natur. Das gilt nicht nur für die Angebote, die das Leser-Publikum wahrnimmt, sondern auch und im Besonderen für die innerbetrieblichen Prozesse bei den Verlagen.
Aus diesem Grund diskutierten wir auf dieser Buchmesse mit über 40 Verlegern und Führungskräften von Dienstleistern über Zukunftsfragen und mögliche technologische Weiterlesen

Fragen zur Fachpressestatistik

Zu Zahlen der Deutschen Fachpressestatistik haben wir folgende Fragen:

Fachpresse Statistik 2015

Quelle: Deutsche Fachpresse

1. Kennt jemand den Preiserhöhungsanteil am Wachstum?
2. Wie hat sich die Gesamtauflage entwickelt?
3. Welche Leistungen fallen alle unter den Begriff Dienstleistungen?
4. Enthält die Rubrik „Elektronische Medien“ sowohl Anzeigen- als auch Vertriebserlöse?